Archiv für Oktober 2008

“Natürliches” Gleichgewicht?

Abgelegt unter unkategorisiert am 24. Oktober 2008 von Trafo

Wir sind nicht im Gleichgewicht. Das merken wir auch – wir leben nämlich.
Ein System, dass im Gleichgewicht ist, ist tot.

Harald Lesch

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Bankenkrise: Gesamtgesellschaftliches Versagen

Abgelegt unter Politik am 21. Oktober 2008 von Trafo

[...] Warum gehen Bankmanager plötzlich solche Risiken ein? Die Antwort ist ganz einfach: Weil es nicht ihr Risiko ist. Sie sind Angestellte, geschützt durch Kündigungsschutz und andere arbeitnehmerfreundliche Gesetze. Sie können kaum haftbar gemacht werden. Bei einer höheren Rendite haben sie aufgrund der Bonuszahlungen viel zu gewinnen, aber nichts zu verlieren. Das liegt daran, dass sie im luftleeren Raum operieren. Der Eigentümer ist eine anonyme Aktionärsversammlung, auf der wieder andere Manager das Zepter nach dem Prinzip „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ schwingen. So ist eine Managerkaste entstanden, die sich immer weiter von den Eigentümern entfernt. Wissenschaftler nennen diesen Prozess „managerial discretion“ (Manager-Verfügungsfreiheit). Er ist nirgendwo so stark ausgeprägt vorzufinden wie bei Banken. Das extreme Gegenmodell wäre die eigentümergeführte Bank. So eine Bank würde sicherlich keine Subprime-Kredite kaufen oder Risiken eingehen, die das jähe Ende bedeuten könnten.

Nicht die Kräfte des Marktes haben also versagt, sondern die Mechanismen des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates. Demokratie, Mitbestimmung, Volksaktie usw. sind Formen der organisierten Verantwortungslosigkeit. Sie haben diese Krise verursacht. Professor Bernd-Thomas Ramb sieht es deswegen genau andersherum als der Zeitgeist: „Diese Krise ist ein Sieg der Marktwirtschaft“, sagt er. Weil die Zeiten vorbei sind, in denen Bankangestellte glauben konnten, 25 Prozent Rendite seien normal. Solange wir keinen Weg finden, wie Profit und Risiko wieder bei einer Person liegen, wird es Manager geben, die Möglichkeiten finden, sich die Taschen mit so viel Geld wie möglich vollzustopfen. Doch was Merkel und Co. jetzt machen ist das Gegenteil von dem, was richtig ist: Sie hauen die Banker raus und geben damit das falsche Signal: Du musst als Bankier keine sauberen Geschäfte machen. Wenn du scheiterst, dann kommen die Steuerzahler auf. [...]

Die Opposition funktioniert nicht. Die Medien spielen ihre Rolle nicht. Deutschland erhält eine „neue Form von Sozialismus“ übergestülpt, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tut. Fazit: Das ist keine Finanzkrise mehr, sondern eine Krise unseres Gemeinwesens insgesamt.

Quelle: ef-magazin

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